Environmental                       Studies

 

 

Home

Radioökologie

Eigenschaften von RadiocÀsium

RadiocÀsium in der Umwelt

Kurzfassung der Ergebnisse

Cs-137 in Waldböden

Cs-137 in Pflanzen

Cs-137 in Pilzen

Cs-137 in HirschtrĂŒffeln

Cs-137 in Wildtieren

Sr-90 in Umweltproben

Pb-210 and Ra-226

 

Radioecology

Properties of radiocesium

Radiocesium in the environm.

Abstract of research results

Cs-137 in forest soils

Cs-137 in plants

Cs-137 in mushrooms

Cs-137 in deer truffle

Cs-137 in wildlife

Sr-90 in envirm. samples

Pb-210 and Ra-226

Power plants

 

 

Wildlife projects

TeilflÀchenbewirtschaftung

Precision Farming

Links

Legal

Company

Downloads

Contact

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ursachen der in einigen Gebieten Deutschlands anhaltend hohen Cs-137 Kontamination von Wildschweinen: HirschtrĂŒffeln

 Forschungsberichte sind als PDF-file verfĂŒgbar unter: Downloads

Auch 18 Jahre nach dem Tschernobyl-Fallout werden in regional begrenzten Gebieten der Bundesrepublik in einigen Pilzarten und im Fleisch von Wildtieren deutlich erhöhte 137Cs Kontaminationen gemessen. Bei Wildschweinen hat sich die 137Cs AktivitÀt seit dem Reaktorunfall in einigen Gebieten kaum verÀndert.

In diesem Forschungsvorhaben wurden die Ursachen fĂŒr die vergleichsweise hohe 137Cs AktivitĂ€t von Wildbret, insbesondere von Wildschweinen detailliert aufgeklĂ€rt und der lĂ€ngerfristige Verlauf der Kontamination untersucht. Da sich die im Fleisch einstellende 137Cs AktivitĂ€t im Wesentlichen durch Ingestion ergibt, wurde die Zusammensetzung der Nahrung von Reh, Rothirsch und Wildschwein durch genaue Analyse des Mageninhalts bestimmt. Die ermittelten Nahrungsbestandteile wurden im Untersuchungsgebiet regelmĂ€ĂŸig beprobt und die 137Cs AktivitĂ€t gemessen. Aus den Messwerten wurde der Beitrag an der Gesamtaufnahme von 137Cs quantifiziert und aus der berechneten Gesamtzufuhr die Kontamination von Muskelfleisch abgeschĂ€tzt.

Wildschweine sind die einzige Wildart, bei der die 137Cs Kontamination seit dem Tschernobyl Unfall in einigen Gebieten der Bundesrepublik auf relativ hohem Niveau stagniert. Bei Wildschweinen ist die Aufnahme von 137Cs mit der Nahrung wesentlich komplexer als bei den reinen Pflanzenfressern Reh und Rothirsch, denn sie nehmen, neben oberirdischer Nahrung auch Bestandteile aus dem Boden auf, je nach VerfĂŒgbarkeit und Vorliebe. Dadurch ergibt sich ein zeitlich differenzierter Verlauf der 137Cs AktivitĂ€t in Wildschweinen, der in der Abbildung 1 dargestellt ist. Die Kontamination der Wildschweine nahm von 1987 bis 2004 trendmĂ€ĂŸig zu, was am Verlauf der Regressionsgeraden zu sehen ist (R=0,05421 und P=0,333). Aus der Steigung der Geraden ergibt sich eine effektive Verdoppelungszeit von 78 Jahren.

 

 Abb. 1: Zeitverlauf von 137Cs in Wildschweinen aus dem Untersuchungsgebiet Bayerischer Wald, mit Regressionsgerade, 1987-2004 (n=321)

In der vorliegenden Untersuchung nahm die Kontamination der Wildschweine von Herbst 2003 bis FrĂŒhling 2004 deutlich ab. So unterschied sich die mittlere 137Cs AktivitĂ€t im Dezember 2003 mit nur 876 Bq/kg hochsignifikant von dem langjĂ€hrigen Mittelwert im Dezember von 4.128 Bq/kg (P<0,0001). Verursacht wurde die AktivitĂ€tsabnahme durch die Buchenmast (s. Mageninhaltsanalysen). Die Wildschweine nahmen ab Anfang Oktober 2003 die nur wenig 137Cs enthaltenen Bucheckern auf (Mittelwert 27 Bq/kg, FS), zulasten anderer Nahrungsbestandteile. Die MĂ€gen enthielten wĂ€hrend der Mastzeit signifikant weniger Pilze und Boden als sonst. Noch im folgenden FrĂŒhjahr wurden erhebliche Mengen Bucheckern nachgewiesen, bis die FrĂŒchte spĂ€ter im Wald-boden auskeimten. Es heißt nicht umsonst „Mastjahr“.

Die verminderte Kontamination der Wildschweine im SpĂ€tsommer 2003 ist vermutlich auch auf den sehr trockenen, niederschlagsarmen Sommer zurĂŒckzufĂŒhren. Die unterir-dischen Nahrungsquellen waren schwerer zugĂ€nglich als normal, besonders in der Zeit von Juli bis September war der Waldboden in großen Teilen des Untersuchungsgebietes regelrecht zusammengebacken. Bei den Probenahmen konnten HirschtrĂŒffeln nur mithilfe eines vorne gebogenen Hammers geerntet werden. Zu der Zeit nahmen Wildschweine vermutlich mehr oberirdische Nahrung auf als ĂŒblich, was zu der relativ niedrigen Kontamination fĂŒhrte, denn unterirdische Nahrungsbestandteile liefern einen deutlich höheren Beitrag zur Kontamination als oberirdisch Wachsende (Abbildung 3).

Die Wildschweine im Untersuchungsgebiet kamen durch die Buchenmast 2003 hervorragend ĂŒber den sonst nahrungsarmen Winter, mit der Folge, dass die Population 2004 explodierte. 2003 wurden 45 Tiere untersucht, 2004 waren es 92. Da es mit vertretbarem Aufwand nicht möglich ist, die Bestandsdichten von Wildtieren zu ermitteln, werden hĂ€ufig indirekte Anzeiger zur Beurteilung von WildbestĂ€nden herangezogen, wie z.B. fĂŒr Schalenwild der „Verbiss-Zustand des Waldes“. Zur Beurteilung von WildschweinbestĂ€nden wird hĂ€ufig auf die Anzahl erlegter Tiere zurĂŒck gegriffen. Die Bestandsentwicklung von Wildschweinen nimmt in der gesamten Bundesrepublik schon seit Jahren zu (Abbildung 2).

Abb. 2: Erlegungen von Wildschweinen in der Bundesrepublik (verÀnd. nach DJV, 2004)

Im Jagdjahr 1982/83 wurden 123.165 Wildschweine erlegt, 2001/02 waren es schon 498.641, Tendenz steigend. Diese rasante Zunahme ist hauptsÀchlich bedingt durch:

    ·       die HĂ€ufung von Mastjahren bei WaldbĂ€umen.

    ·       die kurzen Frostperioden und die geringen Schneelagen ĂŒber viele Jahre hinweg.

    ·       die Verbesserung des Nahrungsangebots (insbesondere Mais) durch den
             Strukturwandel in der Landwirtschaft und durch FĂŒtterungsmaßnahmen der JĂ€ger.

Durch die enorme AnpassungsfĂ€higkeit und die hohe Reproduktionsrate können Wildschweine ihren Bestand sehr schnell vergrĂ¶ĂŸern, wie die Entwicklung in den letzten beiden Jahren verdeutlicht. Ungeachtet regionaler Unterschiede ist zukĂŒnftig mit weiter ansteigen-den WildschweinbestĂ€nden zu rechnen, was zur Folge haben wird, dass immer mehr Tiere aufgrund der 137Cs Kontamination fĂŒr den menschlichen Verzehr ungeeignet sein werden.

Beitrag von Nahrungsbestandteilen zur 137Cs AktivitÀt von Wildschweinen

Wegen der besonders hohen der 137Cs Kontamination der Wildschweine, stellt sich die Frage, welchen Beitrag die einzelnen Nahrungsbestandteile an der 137Cs Kontamination liefern. Dazu wurde zunĂ€chst die tĂ€gliche aufgenommene 137Cs AktivitĂ€t berechnet, um zu prĂŒfen, ob die gemessene Kontamination im Fleisch der Tiere aus den 137Cs Messdaten der Nahrungsbestandteile im Untersuchungsgebiet abzuleiten ist. Als tĂ€gliche Nahrungsmenge wurden 1 bzw. 3 Kilogramm Frischsubstanz angenommen. In der Tabelle 1 sind die Ergebnisse dargestellt.

 Tab. 1: 137Cs Zufuhr von Wildschweinen, bei unterschiedlicher Nahrungsaufnahme

Es wurden verschiedene Szenarien bezĂŒglich der Zusammensetzung der Nahrungsbestandteile berechnet: die Aufnahme entsprechend der in den Mageninhaltsanalysen ermittelten durchschnittlichen Nahrungsbestandteile (Tabellen 3 und 3a) und die Aufnahme mit einem erhöhten Anteil an HirschtrĂŒffeln von 20% bzw. 30%. Da mit einer höheren Aufnahme von HirschtrĂŒffeln auch mehr Boden aufgenommen wird, wurde dieser Anteil ebenfalls erhöht. Als 137Cs AktivitĂ€t der Nahrungsbestandteile wurden die normierten Daten aus den Tabellen 7 und 7a verwendet. Dieser Berechnung nach, nimmt ein Wildschwein, bei durchschnittlicher Zusammensetzung der Nahrungsbestandteile und mittleren 137Cs Gehalten, mit einem Kilogramm Futter 1.201 Becquerel 137Cs auf, mit drei Kilogramm sind es 3.604 Becquerel. Ein erhöhter Anteil HirschtrĂŒffeln fĂŒhrt zu einer deutlichen Zunahme der tĂ€glich aufgenommen 137Cs AktivitĂ€t. Bei 30% TrĂŒffelanteil in 3 Kilogramm Nahrung sind es 17.737 Becquerel.

Diese Berechnungen sind realistisch, denn MĂ€gen von Wildschweinen können durchaus mehr als 30% TrĂŒffeln enthalten, wie aus den Abbildung 4 zu entnehmen ist. Umgekehrt bewirkt die vermehrte Aufnahme von Bucheckern, im VerhĂ€ltnis zu anderen Nahrungsbestandteilen, eine deutliche Reduktion der aufgenommenen 137Cs AktivitĂ€t. Bei einer Aufnahme von 1 Kilogramm Nahrung mit 80% Bucheckern werden nur 320 Becquerel 137Cs zugefĂŒhrt.

Die VariabilitĂ€t der 137Cs AktivitĂ€t von HirschtrĂŒffeln ist im Untersuchungsgebiet sehr hoch, wodurch der 137Cs Input der Wildschweine entsprechend unterschiedlich ist. Wird die Rechnung zum Beispiel mit 30% TrĂŒffeln an der Nahrungsmenge, bei einer Kontamination von 40.000 Bq/kg (die in einigen Teilen des Untersuchungsgebietes durchaus realistisch ist) durchgefĂŒhrt, ergibt sich bei 3 kg Nahrungsmenge eine 137Cs Zufuhr von 37.722 Bq/d. In der Abbildung 3 sind die BeitrĂ€ge der einzelnen Nahrungsgruppen an der 137Cs Zufuhr dargestellt, wobei die Anteile der ober- und unterirdisch wachsenden Bestandteile farblich unterschiedlich dargestellt sind.

 

Abb. 3: Durchschnittlicher Beitrag der einzelnen Nahrungsgruppen an der 137Cs Gesamtzufuhr von 70 WildschweinmÀgen

Mit durchschnittlich 81,5% stellten HirschtrĂŒffeln den mit Abstand grĂ¶ĂŸten Beitrag an der 137Cs Kontamination des mittleren Mageninhalts. Nennenswerte Anteile hatten nur noch Boden mit 11,9% und GrĂ€ser mit 2,2%, oberirdische Fruchtkörper von Pilzen mit 2,1 und KrĂ€uter mit 1,1%. Der Beitrag aller anderen Nahrungsgruppen war jeweils weniger als 1%.

 

Aus dem Untersuchungsgebiet Göttingen wurden im Jahr 2000 auch Proben von Wildschweinen untersucht. Die Cs-137 Werte reichten von 1,5 bis 3,1 Bq/kg (n=4), bei einem Durchschnittswert von 2,2 Bq/kg. Diese AktivitĂ€ten dĂŒrften zu den niedrigsten Cs-137 Werten zĂ€hlen, bei Wildschweinen aus der Bundesrepublik gemessen wurden, wĂ€hrend die im Raum Bodenmais festgestellten Messwerte zu den höchsten zĂ€hlen. Die Kontamination von Wildschweinen variiert damit um fast 4 GrĂ¶ĂŸenordnungen.

 

Die Arbeiten wurden mit Mitteln des Bundesministeriums fĂŒr Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit finanziert. Der Text gibt die Auffassung und Meinung des Auftragnehmers wieder und muss nicht mit der des Bundesumweltministeriums ĂŒbereinstimmen.