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Mageninhaltsanalysen von Wildschweinen
Im Rahmen des Forschungsvorhabens âUntersuchungen zum Verhalten von RadiocĂ€sium in Wildschweinen und anderen Biomedien des Waldesâ wurde unter
anderem das Nahrungsspektrum von Wildschweinen anhand von Mageninhaltsanalysen bestimmt.
Methode
Bei Wildschweinen wurde der gesamte Magen entnommen. Bei Rothirschen wurde aufgrund des groĂen Volumens der Panseninhalt zunĂ€chst gut durchmischt, dann 5 Stichproben
entnommen und diese zu einer Fraktion vermengt. Alle MÀgen wurden bis zur Analyse tief gefroren. Die MÀgen von Wildschweinen wurden im Labor geöffnet und entleert, wobei an den MageninnenwÀnden verbliebene
Nahrungsreste abgelöst wurden, ohne Eigengewebe zu entnehmen. Der Mageninhalt wurde gewogen. Um die Einzelbestandteile des Mageninhalts zu bestimmen, wird nach dem folgenden Schema verfahren (Abbildung 1).

Abb.1: Schematische Darstellung der Mageninhaltsanalyse bei Wildschweinen und Rothirschen
ZunÀchst werden grobe Bestandteile aus dem Mageninhalt herausgesucht und zur spÀteren
Bestimmung, zur Stichprobe III vereinigt. In den MĂ€gen von Rothirschen und Wild-schweinen sind hĂ€ufig noch Teile von Nahrungskomponenten wie BlĂ€tter, GrĂ€ser und Farnrhizome, sowie BruchstĂŒcke von
Pilzen enthalten, die die Bestimmung vereinfachen. Aus dem durchmischten Mageninhalt werden 5 Teilproben entnommen, zur Stichprobe II vereinigt und gewogen (ca. 200 g). Das Material dieser
Stichprobe wird durch ein 1 mm Sieb gesiebt und kleine Partikel durch mehrminĂŒtiges SpĂŒlen mit Wasser entfernt. Der RĂŒckstand wird qualitativ und quantitativ analysiert. Das Filtrat wird auf Borsten von
RegenwĂŒrmern untersucht, nachdem ein weiteres Sieb (0,2 mm) dazwischen geschaltet wurde, um feine Bestandteile aus dem Filtrat zu entfernen.
Der RĂŒckstand auf dem 1 mm Sieb besteht i.d.R. aus einem Gemisch von unterschiedlich stark
zersetzten pflanzlichen und tierischen Fragmenten. Die Blattgewebe werden zwar durch die MagensÀfte vorverdaut und in ihrer Struktur verÀndert, hÀufig bleiben aber die Epidermen erhalten, die sich durch
die GröĂe und Anordnung verschiedener Zellarten, HĂ€rchen und Wachsschichten voneinander unterscheiden und dadurch pflanzenarttypisch sind (Abbildung 2). Insbesondere die Kutikula, die die
Epidermis als geschlossene AuĂenwand ĂŒberzieht, ist relativ resistent gegenĂŒber UmwelteinflĂŒssen. Sie besteht aus Kutin, einem hoch polymeren Ester, hauptsĂ€chlich aus gesĂ€ttigten C15 Fett- und
OxyfettsÀuren, die selbst durch konzentrierte SchwefelsÀure nicht zerstört werden.

Abb. 2: Schematische Darstellung von Epidermen der Blattunterseiten von Wiesen-KnÀulgras, Rot-Klee
und Heidelbeere (von links) mit unterschiedlichen Spaltöffnungen, aus FIELITZ und ALBERS (1996)
Die Bestimmung der Pflanzenfragmente erfolgte nach dem BestimmungsschlĂŒssel von ZETTEL (1985),
eigenen DauerprÀparaten und mithilfe langjÀhrig erworbener Kenntnisse im Umgang mit Nahrungsbestandteilen aus MÀgen. Nahrungsbestandteile tierischen Ursprungs wurden anhand
charakteristischer Gewebe-strukturen, wie z.B. Schuppen etc. identifiziert. Im Fall von SĂ€ugetieren wurden einzelne Grannenhaare zur Bestimmung herangezogen, da diese in der Regel artspezifische
Strukturmerkmale bezĂŒglich Kutikula, Medulla und Cortex aufweisen. Als Bestimmungs-schlĂŒssel wurde die Arbeit von DAY (1966) verwendet. Bei gröĂeren zusammen-hĂ€ngenden Gewebepartien (z.B. Hase)
wurde, abweichend von dem Stichprobeverfahren, das Frischgewicht direkt bestimmt und auf das Gewicht des Mageninhalts bezogen.
Die Masse der Frischsubstanz eines Nahrungsbestandteils wurde als Anteil am gesamten Mageninhalt umgerechnet.
Bestimmung des Bodenanteils in WildschweinmÀgen
A. Mineralboden: Der Bodenanteil wurde ĂŒber den Skelettanteil ermittelt. Zur Bestimmung des
Skelettanteils werden aus dem durchmischten Mageninhalt 5 Proben entnommen, zur Stichprobe I vereinigt und diese gewogen (ca. 300 g). Der darin enthaltene Skelettanteil wurde durch Dekantieren
ermittelt und auf den Anteil im gesamten Magen-inhalt umgerechnet. Der Anteil des Mineralbodens im Magen wurde aus dem Skelettanteil und dem VerhÀltnis Boden : Skelettanteil in Bodenproben aus dem
Untersuchungsgebiet (in der Tiefe, in der Wildschweine wĂŒhlen) berechnet.
B. Organische Auflage: Ein Problem ist, dass in den WildschweinmÀgen oberirdisch und unterirdisch
wachsendes Pflanzenmaterial gleichzeitig mit abgestorbenen Pflanzen-bestandteilen aus denselben Elementen im Auflagehumus vorhanden sein kann. Es existiert kein direktes Messverfahren um
Bestandteile der Humusauflage, also die postmortale, organische Substanz, quantitativ zu bestimmen. Die Bestimmung ĂŒber Titan ist nicht möglich, da sowohl grĂŒne als auch abgestorbene
Pflanzenbestandteile (Ol, Of) Ă€hnlich hohe Titankonzentrationen aufweisen (THORNTON und ABRAHAMS, 1983). Daher wurde versucht, den Anteil ĂŒber eine halb qualitative und halb quantitative Methode zu erfassen:
Zur Bestimmung wurde aus der Stichprobe II 5 mal ca. 1 g entnommen, zu der Stichprobe IV vereinigt
und gewogen. Die Stichprobe wurde in eine Laborwanne mit Wasser gegeben, um die Einzelteile sichtbar zu machen. Die erkennbaren Pflanzenteile, wie Blattreste, Wurzeln, Pilze etc. wurden mit einer
Pinzette entfernt. In der Laborwanne verblieb, je nach Mageninhalt, eine feine dunkle Suspension. Diese Lösung wurde mithilfe einer Wasserstrahlpumpe abgenutscht. Der auf dem Filter verbleibende
Teil, Bestandteile der organischen Humusauflage bzw. der organische Anteil aus dem Ah-Horizont wurde ausgewogen und der Anteil am gesamten Mageninhalt berechnet.
Insgesamt wurden die MĂ€gen von 102 Wildschweinen analysiert (Tabelle 1). Davon ent- hielten 32
MĂ€gen jeweils mehr als 95% Bestandteile von Mais, Apfeltrester, RĂŒben oder Getreide. Offensichtlich stammten die MĂ€gen von Tieren, die vor der Erlegung Nahrung an einer FĂŒtterung aufgenommen
hatten, und wurden deshalb nicht in die weitere Auswertung mit einbezogen. Die MĂ€gen hatten ein mittleres Gewicht von 1.450 g (FS), bei einer Standardabweichung von 809 g, Minimum und Maximum
lagen bei 395 g bzw. 4.170 g.
In den untersuchten MĂ€gen wurden die verschiedenen Nahrungsbestandteile pflanzlicher und tierischer
Herkunft, möglichst bis zur Art bestimmt. Um einen Ăberblick zu bekommen, wurden die Bestandteile in Nahrungsgruppen geordnet. Die Anteile einzelner Fruchtarten, wie z.B. Beeren von Heidelbeere oder
Eberesche wurden unter dem Begriff âFrĂŒchteâ zusammengefasst, Vertreter der SĂŒĂgrĂ€ser, RiedgrĂ€ser und BinsengewĂ€chse bekamen den Oberbegriff âGrĂ€serâ.
Tab. 1: Zeitliche Verteilung der untersuchten WildschweinmÀgen, 2002 - 2004
In der Tabelle 2 ist die mittlere Nahrungszusammensetzung von 70 WildschweinmÀgen, aufgeteilt nach
Nahrungsgruppen angegeben. âSonstigesâ und âtierische Bestandteileâ waren quantitativ mit 0,3% und 0,9% nicht von Bedeutung. Die Anteile aller folgenden Nahrungsgruppen sind so hoch, dass sie
radioökologisch als relevant eingestuft werden mĂŒssen.
Tab. 2: Mittlerer Anteil von Nahrungsgruppen bezogen auf das Magenfrischgewicht, in 70 WildschweinmĂ€gen, Mai 2002 â August 2004
Pilzeâ waren mit 7,6% vertreten, gefolgt von âBodenâ mit 11,0% und âWurzelnâ mit 12,2%. BlĂ€tter von
KrĂ€utern und GrĂ€sern kamen mit 13,4% bzw. 20,2% vor, FrĂŒchte (17,3%) und Bestandteile aus FĂŒtterungen (17,1%) waren etwa von gleicher Bedeutung.
Bei der Bewertung des quantitativen Anteils der einzelnen Nahrungsgruppen besteht auch bei
Mageninhaltsanalysen von Wildschweinen das Problem der sehr ungleichen Verteilung in der Probengesamtheit. So enthielten zwar rund 47% aller MĂ€gen tierische Bestandteile, meist aber nur in
Spuren. In einem Magen wurden zum Beispiel Reste eines Hasen gefunden, der 12% des Mageninhalts ausmachte und den Mittelwert von allen MÀgen entsprechend erhöht. Die Verteilung der einzelnen
Nahrungsgruppen in den Wildschwein-mĂ€gen ist in der Abbildung 3 beispielhaft fĂŒr GrĂ€ser, Boden, FrĂŒchte und HirschtrĂŒffeln dargestellt.
Abb. 3: Absolute HÀufigkeit der Anteile von Nahrungsgruppen am Magenfrischgewicht von 70 WildschweinmÀgen, Klassenbreite 10%
Bei den 4 Nahrungsgruppen ist die Verteilung der Werte linksschief, in den meisten MĂ€gen waren die
Anteile der einzelnen Nahrungsgruppen am Magenfrischgewicht 0% - 10%. Zunehmend höhere Anteile wurden in immer weniger MĂ€gen gefunden. Eine Aus-nahme waren FrĂŒchte, wovon in einigen MĂ€gen
mehr als 70% waren. Bei GrĂ€sern sind die Werte, abgesehen von der Klassen 0% - 10%, am kontinuierlichsten verteilt. Die Verteilung bei HirschtrĂŒffeln und Boden ist Ă€hnlich.
Die Abbildung 4 zeigt die Nahrungszusammensetzung fĂŒr jeden Magen, einzeln, nach Nahrungsgruppen und in zeitlicher Reihenfolge getrennt.

Abb. 4: Nahrungsgruppen in 70 WildschweinmÀgen, in zeitlicher Reihenfolge
Die einzelnen Mageninhalte unterschieden sich in der Nahrungszusammensetzung qualitativ und
quantitativ zum Teil erheblich. Deutlich werden trotzdem saisonale Trends: Im gesamten Untersuchungsgebiet kam es 2003 zu einer ausgeprÀgten Samenproduktion der Buchen. Durch diese
Buchenmast Ànderte sich die Nahrungszusammensetzung in den WildschweinmÀgen im Vergleich zu Vorjahr grundlegend. Bucheckern fanden sich bereits im September in den MÀgen und dominierten als
Nahrungsbestandteil bis zum Februar 2004. 7 von 9 MÀgen aus diesem Zeitraum enthielten mehr als 90% Bucheckern. Besonders auffÀllig war, dass alle, von September 2003 bis Februar 2004
angelieferten MĂ€gen keine Bestandteile aus FĂŒtterungen enthielten. Die Wildschweine zogen die Bucheckern offensichtlich allem anderen vor, auch der FĂŒtterung, was zur Folge hatte, dass weniger
Tiere erlegt werden konnten: 2002 waren es 75 Wildschweine, 2003 nur 45.
Die besondere Bedeutung der aus FĂŒtterungen aufgenommenen Nahrung zeigt sich daran, dass in
38,5% der untersuchten MĂ€gen mehr als 20% FĂŒtterungsbestandteile enthalten waren. Dazu kommen noch die 32 MĂ€gen, die nicht berĂŒcksichtigt wurden, weil der Inhalt ĂŒber 95% FĂŒtterungsbestandteile
enthielt. Es ist sehr schwer, Wildschweine ohne Ablenk-fĂŒtterung oder Kirrung zu erlegen. Die untersuchten Tiere wurden zudem auf besondere Anweisung hin erlegt. In den Tabellen 3 und 3 a sind
in der zweiten Spalte von links die mittleren Anteile der Nahrungsgruppen in allen 70 Mageninhalten, aufgeschlĂŒsselt nach Arten (soweit das möglich war) und bezogen auf Frischsubstanz angegeben.
Tab. 3: Mittlerer Anteil einzelner Nahrungsgruppen bezogen auf das Magenfrischgewicht und HĂ€ufigkeit des Vorkommens in 70 WildschweinmĂ€gen, Mai 2002 â August 2004
Nicht nĂ€her bestimmt werden konnten Feinwurzeln, die als Gruppe âFeinwurzeln unbestimmtâ
angegeben wurden. Ebenso konnten die Wurzeln von verschiedenen SĂŒĂgrĂ€sern nicht bis zur Art bestimmt werden und wurden unter âWurzeln SĂŒĂgrĂ€serâ zusammengefasst.
Bei Weidenröschen wurde sowohl das Wald-Weidenröschen (Epilobium angustifolium) als auch das
Berg-Weidenröschen (Epilobium montanum) in den MĂ€gen gefunden und der Ăbersichtlichkeit halber zu âWeidenröschenâ zusammengefasst. Mit dem Zusatz spec. fĂŒr Spezies wurden die Gruppen bezeichnet,
die nicht bis zur Art bestimmt werden konnten. In den MĂ€gen lĂ€sst sich quantitativ nur die derbe Rinde der HirschtrĂŒffel bestimmen, da sich die pulverige Sporenmasse im Magenbrei verliert und mit dem Auge
nicht zu erkennen ist. Um den gesamten TrĂŒffelanteil im Magen erfassen zu können, wurde aus dem Gewichts-verhĂ€ltnis Rinde:Sporenmasse (2,2 : 1, n= 21) auf die Gesamtmasse TrĂŒffel im Magen-inhalt
umgerechnet. Bei der Gruppe âPilzeâ wurden unter dem Gattungsnamen Milchlinge (Lactarius) alle Vertreter dieser Gruppe zusammengefasst, die nicht nĂ€her bestimmt werden konnten.
Tab. 3a: Mittlerer Anteil einzelner Nahrungsgruppen bezogen auf das Magenfrischgewicht und
HĂ€ufigkeit des Vorkommens in 70 WildschweinmĂ€gen, Mai 2002 â August 2004
Bei âtierische Bestandteileâ handelte es sich um Larven bzw. Puppen verschiedener Insekten.
Insbesondere Schnakenlarven kamen in rund 29% aller MĂ€gen vor und wurden offenbar gezielt gesucht, denn mehrere MĂ€gen enthielten 30 bis 50 Larven. Bei einigen Insekten dĂŒrfte es sich um
zufÀllig gefundene Nahrung handeln. Quantitativ spielten ani-malische Bestandteile am Nahrungsspektrum der Wildschweine keine Rolle. Vereinzelt wurden ErdmÀuse, in 5 FÀllen auch Reste
von Vögeln nachgewiesen. In 3 MĂ€gen wurden Knochenteile von gröĂeren SĂ€ugetieren gefunden, allerdings ohne begleitende Gewe-bereste, sodass eine Artbestimmung nicht möglich war.
Pilze wurden in 82,9% der MĂ€gen gefunden, HirschtrĂŒffeln in 81,4%. MengenmĂ€Ăig waren nur
HirschtrĂŒffeln mit 5,5% und der oberirdisch fruktifizierende Pilz Grauer Streifling (Amanita vaginata) mit 1,5% von Bedeutung. Eine weitere unterirdisch fruktifizierende Pilzart, die Sternsporige LaubtrĂŒffel
(Octavianina asterosperma) war mit 0,2% Anteil eher unbedeutend und wurde nur in 2 MĂ€gen nachgewiesen. Diese TrĂŒffel, deren Vorkommen sich, im Gegensatz zur HirschtrĂŒffel, auf LaubwĂ€lder
beschrÀnkt, ist im Untersuchungsgebiet selten, zumindest konnten bisher keine Fruchtkörper gefunden werden. Ansonsten wurden in den MÀgen noch die oberirdisch wachsenden Fruchtkörper von
Zweifarbiger Streifling, Hallimasch, Marone, Mohrenkopf, Pfifferling, Steinpilz und Zigeunerpilz, mit Anteilen von >0,01% nachgewiesen. Die Summe dieser Anteile ist in der Tabelle 3 unter âPilze -
oberirdisch fruktifizierende Sonstigeâ angegeben.
Bei der Aufnahme von unterirdisch vorkommenden Nahrungsbestandteilen wurde regel-mĂ€Ăig mehr
oder weniger viel Boden mit aufgenommen, denn alle Mageninhalte mit einem hohen Anteil Wurzeln und/oder HirschtrĂŒffeln enthielten auch relativ viel Boden. Nur 10% der untersuchten MĂ€gen enthielten
keinen Boden. Der Anteil âBodenâ betrug durchschnittlich 11%, wobei es sich ĂŒberwiegend um Bestandteile aus organischen Horizonten handelte, die 98% des Anteils ausmachten. Der organische
Anteil des Ah-Horizonts wurde mit zum organischen Horizont gezĂ€hlt, da unter âMineralbodenâ ausschlieĂlich der mineralische Skelettanteil erfasst wurde.
Wurzeln waren mengenmĂ€Ăig nur bei den MĂ€gen, die von Mai 2002 bis Januar 2003 stammten von
Bedeutung. Durchschnittlich kamen sie in 12,2% aller MĂ€gen vor, wobei die Wurzeln der GrĂ€ser mit 4,7% den gröĂten Anteil stellten. Alle MĂ€gen, die nach dem Februar 2003 eingeliefert wurden,
enthielten nur wenig Wurzeln.
Bei der Gruppe âKrĂ€uterâ dominierte mit Abstand das Weidenröschen und stellte mit 4,4% Anteil mehr
als die HĂ€lfte der BlĂ€tter von KrĂ€utern. Der Anteil âFrĂŒchteâ mit 17,3% ergibt sich insbesondere durch
die Buchenmast im Herbst 2003, vor dieser betrug der Anteil âFrĂŒchteâ lediglich 5,8% und setzte sich insbesondere aus Heidelbeeren und Beeren der Eberesche zusammen. GrĂ€ser waren mit 20,2% Anteil
und einer HĂ€ufigkeit des Vorkommens von 78,6% die bedeutendste Nahrungsgruppe.
WĂ€hrend es weltweit viele Studien zur Nahrungswahl von Wildschweinen gibt (z.B. SCOTT und PELTON,
1975), ist das Angebot an relevanten Arbeiten aus Deutschland eher begrenzt. Dass Wildschweine TrĂŒffeln verzehren, wird bereits von HARTIG (1832) berichtet. EISFELD und HAHN (1998) untersuchten
1995-1997 in Baden-WĂŒrttemberg 430 MĂ€gen von Wildschweinen. Die Bestimmung der Nahrungsbestandteile erfolgte nach einem Stichprobenentnahmeverfahren mit anschlieĂender
Artbestimmung, wobei die quantitative Erfassung auf der Basis einer SchÀtzung des Volumenanteils der einzelnen Nahrungskomponenten, unter dem Binokular, beruhte. Durchschnittlich enthielten die MÀgen
mehr als 95% pflanzliche Nahrung. Es dominierten
Nahrungskomponenten von FĂŒtterungen mit 37%, gefolgt von 19% Kastanien und Bucheckern (Mast),
GrÀsern und KrÀutern 17%, Getreide aus der Feldflur 7% Wurzeln 5%, tierische Bestandteile 4% und Pilze <1%. Zu Pilzen wird von den Autoren vermerkt, dass in einigen NaturrÀumen des Schwarzwaldes,
in den WildschweinmÀgen aus dem Juli, Pilze mit Anteilen von 13% und 15% nachweisbar waren.
HOHMANN und HUCKSCHLAG (2004) fĂŒhrten Analysen an 706 MĂ€gen durch, um die Ursachen fĂŒr eine erhöhte 137Cs Kontamination von Wildschweinen im PfĂ€lzer Wald zu untersuchen. Die Inhalte von 668
MĂ€gen wurden den Gruppen âGrĂŒner Nahrungsbreiâ, âSonstigesâ, âFĂŒtterungâ und âBraun-schwarzer, körniger Breiâ zugeordnet. Von der Gesamtstichprobe wurden 38 MĂ€gen (20 mit relativ hohem 137Cs
Gehalt des Mageninhalts und 18 mit geringer Kontamination) genauer untersucht. Die Ergebnisse fĂŒr die âmaximal belastetenâ Mageninhalte sind in der Abbildung 5 dargestellt.
Abb. 5: Gewichtsanteile von Nahrungsfraktionen in höher mit 137Cs kontaminierten Mageninhalten von
Wildschweinen aus dem westlichen PfÀlzer Wald, im Sommerhalbjahr 2002, verÀndert nach HOHMANN und HUCKSCHLAG (2004)
Die Methodik entsprach weit gehend der im vorliegenden Forschungsvorhaben, da diesbezĂŒglich eine
Absprache erfolgte. Allerdings wurden die 38 MĂ€gen nur auf die Nahrungsgruppen: HirschtrĂŒffeln, GrĂŒne Pflanzen, Sonstiges, Wurzeln, Mais/Getreide, Tierisches Material und BaumfrĂŒchte analysiert und nicht
bis auf das Artniveau bestimmt. In dem untersuchten SiebrĂŒckstand (2mm Sieb) der 20 âmaximal belastetenâ Mageninhalte hatten HirschtrĂŒffeln einen Gewichtsanteil von 18%, in den gering belasteten
Mageninhalten 2%.
BRIEDERMANN (1976) untersuchte 665 WildschweinmÀgen, die aus verschiedenen
Wildforschungsgebieten der ehemaligen DDR, von 1963-1966 stammten. Es handelte sich um Gebiete, die neben WÀldern auch landwirtschaftlich genutzte FlÀchen einschlossen. Der Mageninhalt wurde nach
groben Bestandteilen getrennt, die dann bis zur Art bestimmt und als Anteil am Mageninhalt geschĂ€tzt wurden. Briedermann hĂ€lt es fĂŒr angebracht, die Ergebnisse nach Mastjahren und Jahren ohne Mast zu
trennen. In Mastjahren stellten Eicheln und Bucheckern nahezu 50% der ErnÀhrung im Jahresdurchschnitt. Etwa 30% Anteil hatten landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Kartoffeln und
Getreide. Die oberirdische, vegetative, pflanzliche Nahrung spielte mit durchschnittlich 5%, genau wie die unterirdische pflanzliche Nahrung mit 2%, kaum eine Rolle. Die tierischen Nahrungsbestandteile
beliefen sich auf 4%. Er beschreibt, dass die Wildschweine in Mastjahren ihre Nahrung nahezu vollstĂ€ndig auf diese Nahrung umstellen, was fĂŒr den Zeitraum von Oktober bis Februar gilt.
In Jahren ohne Mast stellten landwirtschaftliche Produkte 80-90% der Nahrungsmenge. Unterirdisch
wachsende Nahrung belief sich auf 7%, sonstige grĂŒne Pflanzenteile auf 10%. Pilze kamen in 33 MĂ€gen (5%) vor, davon enthielten 30 MĂ€gen HirschtrĂŒffeln. Insgesamt machten Pilze weniger als 0,1% der
gesamten Mageninhaltsmenge aus. HirschtrĂŒffeln wurden in 4 MĂ€gen mit 50g, 50g, 140g und 180g Masse gefunden. Briedermann ermittelte 44 Pflanzen- und 80 Tierarten bzw. Artengruppen in den MĂ€gen.
Aus den Ergebnissen verschiedener Studien zur Nahrungswahl von Wildschweinen in Deutschland können folgende SchlĂŒsse gezogen werden:
1. Haben Wildschweine Zugang zu landwirtschaftlichen NutzflĂ€chen, sind FeldfrĂŒchte die
Hauptnahrungskomponenten, bei entsprechender VerfĂŒgbarkeit.
2. Wildschweine sind Allesfresser, mit einem hohen Anpassungspotenzial an das sowohl lokal
als auch jahreszeitlich variierende Nahrungsangebot. In Mastjahren von Ess-kastanien, Eicheln oder Bucheckern werden von Beginn des Samenfalls bis in das folgende FrĂŒhjahr hinein
ĂŒberwiegend diese FrĂŒchte verzehrt.
3. Futter von FĂŒtterungen (Ablenk- oder AnlockfĂŒtterung) stellen bundesweit fĂŒr Wildschweine
eine bedeutende Nahrungskomponente dar.
4. Mageninhalte von Wildschweinen aus Waldgebieten ohne Zugang zu FĂŒtterungen enthalten
hÀufig einen mehr oder weniger hohen Anteil an Pilzen und Boden.
5. Ergebnisse von Mageninhaltsuntersuchungen an Wildscheinen hÀngen auch von der
Fragestellung ab. Wenn ein Nahrungsbestandteil, der quantitativ schwer zu bestimmen ist, aufgrund der Fragestellung besondere Beachtung findet, wie z.B. bei Hirsch-trĂŒffeln, wird ein höherer Anteil ermittelt.
Quantitative Angaben zum Vorkommen von Boden in WildschweinmÀgen fehlen bislang. Die
vorliegende Untersuchung zeigt, dass in WildschweinmÀgen aus dem Untersuchungsgebiet der Anteil von durchschnittlich 11% beachtlich ist.
Die Arbeiten wurden mit Mitteln des Bundesministeriums fĂŒr Umwelt, Naturschutz und
Reaktorsicherheit finanziert. Der Text gibt die Auffassung und Meinung des Auftragnehmers wieder und muss nicht mit der des Bundesumweltministeriums ĂŒbereinstimmen.
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